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Token Ring (nach IEEE 802.5)
Obwohl
das original IBM Token Ring der typische Vertreter eines Ringnetzwerkes
ist, basiert es auf einer Sternverkabelung. Im Gegensatz zu billigeren Lösungen
(Busnetz) sind bei Token Ring je eine Sende- und eine Empfangsleitung
integriert (Ring Out und Ring In). Diese Aus- und Eingänge sind definiert
und unverwechselbar. Auch in der Multi Station Access Unit, der MAU (oder
MSAU) sind diese beiden Kanäle vorhanden. Die einzelnen Signale verlaufen
nunmehr wie in der Grafik zu entnehmen entgegen dem Uhrzeigersinn.
Wie klappt es mit den Nachbarn ?
Die Netzwerkkarten haben im Gegensatz zu den Karten bei Standard
Ethernet (CSMA/CD) wesentlich mehr Steuerungselektronik on Board. Die
Netzwerkkarten nehmen das ankommende Signal vom Netz, werten es aus ob es
für sie bestimmt ist oder nicht, generieren es neu und geben es wieder in
das Netz zurück. Daher sind die Signale im Token Ring Netz wesentlich
klarer als bei Ethernet üblich.
Beim Einschalten des Rechners überprüft sich die Karte selbstständig.
Sollte ein Hardwarefehler auftreten, erhält der Anwender eine
Fehlermeldung auf seinem Bildschirm!
Ergab die eingebaute Prüfroutine keinen Fehler erfolgt die
Netzanmeldung in dem (zumeist schon) laufenden Netzwerk. Dabei erfolgt
eine Neuinitialisierung des Netzes, einfach ausgedrückt bedeutet das, die
angeschlossenen Stationen werden über den Neuankömmling informiert.
Somit werden die Zeiten im Netz neu geordnet um Senden und empfangen zu können.
Und wenn es doch einmal kracht ?
Wie schon beschrieben sind die eingesetzten Netzwerkkarten mit relativ
viel technischer Intelligenz ausgestattet. Bei den kreisförmig
verlaufenden Signalen kann jede angeschlossene Station feststellen, ob
beispielsweise sein Vorgänger im Ring noch vorhanden ist, ob diese
Station einwandfrei sendet oder nicht.
Beispiel:
Wir
nehmen ein kleines virtuelles Token Ring Netzwerk an bestehend aus acht
Rechnern.
Die einzelnen Stationen sind der Einfachheit halber alphabetisch
durchnumeriert.
Station "H" sei der Server, alle anderen Stationen seien
einfache Clients, also Standard PC.
Aktive Monitor
Station "H" ist als erste am Netz, ist damit der Aktive
Monitor und generiert das freie Token. Ein Token ist ein 3 Mbit/s großer
MAC-Rahmen.
Dies wird ins Netz gesendet. Geschieht nichts überprüft jede Station
das Token und gibt es wieder ins Netz. Jede einzelne Station meldet sich
alle 7 Sekunden.
Station "C" sendet
Station "C" will an Station "G" senden und nimmt
das freie Token vom Netz, sobald es bei ihr ankommt. Die Datensendung wird
zumeist in Stücken in das Netz gesendet. Die Stationen "D",
"E" und "F" werten die Signale aus und erkennen, dass
sie nicht für sie bestimmt sind, generieren die Signale neu und geben das
Signal wieder ins Netz. Station "G" erkennt, dass die Lieferung
für sie bestimmt ist, nimmt die Daten vom Netz und quittiert an Station
"C". Quittierungen werden in das Token eingetragen. Da das Token
über das Netz gesendet wird erkennt jede Station, wer sendet, wer frei
ist usw.
Station "C" sendet solange, bis entweder die maximale Zeit
abgelaufen ist, oder alles gesendet ist, was zu senden war. Dann generiert
sie ein freies Token und gibt es auf das Netz. Kommt nach Ablauf der
maximalen Sendezeit kein freies Token ins Netz erfolgt eine Aufforderung
durch den Aktive Monitor an Station "C". "Sendebetrieb
einstellen Netz freimachen".
Ausfall Station "C"
Kann Station "C" nicht (mehr) antworten, wirft der Aktive
Monitor sie aus dem Netz heraus, indem die Netzwerkkarte der Station
"C" angewiesen wird den Sendebetrieb einzustellen und das Relais
in der MAU mit Spannung zu versorgen. Es erfolgt eine Neuinitialisierung
und ein neues freies Token wird vom Aktive Monitor ins Netz geschickt.
Kabelbruch bei Station "B"
Gehen wir nun von einem Kabelbruch bei Station "B" aus.
Station "B" generiert ein Signal, welches das Relais in der MAU
öffnet. Bei einem Kabelbruch kann daher das Relais nicht offen gehalten
werden und das Netz ist wieder geschlossen. Die Netzwerkkarte von Station
"B" erkennt normalerweise den Fehler und informiert den Anwender
über den Kabelbruch.
Da der Ring durch das geschlossene Relais bei Station "B"
wieder geschlossen ist, fließen die Daten wieder problemlos durch das
Netz. Station "C" erkennt allerdings, dass die Station
"B" nicht gesendet hat und informiert alle Teilnehmer im Netz
"Station B ist ausgefallen". Der Aktive Monitor veranlasst eine
Neuinitialisierung des Ringes, die Zeiten werden neu geordnet, ein neues
freies Token wird generiert und es geht weiter. Dieser Vorgang wird auch
als Beaconing bezeichnet.
Fehlerhafte Netzwerkkarte bei Station "F"
Die
Netzwerkkarte von Station "F" ist defekt und sendet Müll. Die
nachfolgende Station "G" erkennt dass nur noch Müll kommt und
sendet eine Nachricht bzw. ein Fehlersignal in den Ring, dass sie keine
Nachricht von ihrem nächsten aktiven vorgelagerten Nachbarn (NAUN =
Nearest Active Upstream Neighbor) empfangen hat. Diese Nachricht bzw. das
Fehlersignal beinhaltet die eigene Adresse, die Adresse des defekten
Senders sowie den Typ des Fehlers.
Diese Nachricht kann die defekte Station auswerten und kann automatisch
vom Netz gehen. Auch kann der Aktive Monitor die defekte Station
auffordern den Sendebetrieb einzustellen und vom Netz zu gehen. Alle
anderen Rechner erhalten die Nachricht, dass die Sendungen der Station
"F" zu bis zur Neuinitialisierung ignorieren sind. Normalerweise
rennt zu diesem Zeitpunkt der/die Administrator/in zur MAU oder zum HUB
und nimmt die defekte Station vom Netz.
Von all diesen Vorgängen bemerken die Anwender gewöhnlich nichts, die
betroffenen Stationen einmal ausgenommen. Der Administrator Rechner erhält
über all diese Fehler Nachrichten und kann sie turnusgemäß auswerten.
Entsprechende Verwaltungssoftware vorausgesetzt. Moderne Token Ring
Systeme lassen es sogar zu, über Fernzugriff eine defekte Station vom
Netz zu nehmen.
All diese Eigenschaften machen Token Ring zu einem idealen Netzwerk bei
zeitkritischen Anwendungen oder im Bereich der Sicherheitsaufgaben.
Weshalb solche Netze wesentlich teurer sind als einfache Cheapernetze dürfte
nun klar sein.
Vorteile:
 | Sehr guter Datendurchsatz, auch bei hoher Netzlast |
 | Anbindungsmöglichkeit zwischen LAN und (IBM) Großrechner |
 | Tauglichkeit für Twisted Pair Verkabelungen |
 | Integriertes Fehlersuchverfahren |
 | Automatische Rekonfiguration des Ringes |
 | Garantierte Antwortzeiten im Netz |
Nachteile
 | Es ist relativ teuer |
 | Die Systemverwaltung muss über beträchtliche fundierte
Sachkenntnisse verfügen. |
Einsatzgebiete
Aus den Vorteilen entnehmen wir einige der Einsatzgründe für Token
Ring. Der gute Datendurchsatz bei hoher Netzlast, sowie die garantierte
Antwortzeit machen das Netz zur ersten Wahl bei zeitkritischen
Anwendungen. Nicht umsonst wurden und werden viele Krankenhäuser mit
Token Ring verkabelt. Das eingesetzte Token Passing Verfahren ermöglicht
eine sehr gute Reglung von Senden und Empfangen. Die automatisch
generierte Überwachungseinrichtung (Aktive Monitor das bedeutet der erste
Rechner der sich anmeldet ist der Aktive Monitor, alle anderen sind
Passive Monitor) sorgt u.a. für eine Neugenerierung des Token, sollte es
"verloren gehen". |